Covid-19

Beratung für den Umgang mit Covid-19

Während Covid-19 leitet Marie-Anna Bénard Projekte in Entwicklungsländern aus der Ferne und unterstützt Unternehmen dabei, ihre Widerstandsfähigkeit aufzubauen und ihr Wachstum aufrecht zu erhalten.

Marie-Anna Bénard

Du initiierst und leitest Technische-Hilfe-Projekte, die Unternehmen in Entwicklungsländern dabei helfen, neue Fähigkeiten zu entwickeln und ihre Geschäftstätigkeit zu verbessern. Wie hältst du diese Arbeit mit Covid-19 aufrecht?

Covid-19 hat meinen Tagesablauf definitiv verändert. Unter normalen Umständen verbringe ich viel Zeit damit, mich mit unseren Investitionsteams und Partnern – bestehenden und potenziellen Portfoliounternehmen - abzustimmen, um eine reibungslose und effektive Umsetzung von Projekten zu gewährleisten. Viele dieser Projekte hängen davon ab, dass alle, einschließlich der Berater, reisen können, was seit Ende Februar mit zunehmenden Reisebeschränkungen, Grenzschließungen und Abriegelungsmaßnahmen immer schwieriger geworden ist. Gleichzeitig haben sich die Prioritäten für viele unserer Partner verschoben: Sie müssen sich mit unmittelbaren operativen Themen auseinandersetzen, was ihnen weniger Ressourcen für Beratungsprojekte lässt.

Heisst das, dass du jetzt fast nichts zu tun hast?

Nicht wirklich: Wir verwalten derzeit etwa 100 Technische-Hilfe-Projekte, und keines davon wurde aufgrund der Pandemie gestrichen. Da Covid-19 uns alle möglichen Hindernisse in den Weg legt, aber auch Menschen persönlich betrifft, ist es jetzt wichtiger denn je, den Überblick zu behalten, unsere Partner und alle beteiligten Berater zu kontaktieren, um zu verstehen, wo in den Projekten Anpassungen erforderlich sind und welche Art von Soforthilfe benötigt wird. Da sich die Prioritäten verschieben, müssen wir sehr pragmatisch sein, was die daraus resultierenden Verzögerungen angeht, und wenn möglich Alternativen finden. Dazu gehört auch, dass wir neue Wege der Beratung ausprobieren, zum Beispiel durch das Experimentieren mit E-Learning und Online-Schulungstools. Das erlaubt uns, Wissen zu teilen und unsere Beziehungen aufrechtzuerhalten, auch wenn wir nicht vor Ort sein können.

"Technische Hilfe kann ein entscheidendes Instrument sein, um die Widerstandsfähigkeit von Unternehmen in Krisen wie dieser zu stärken."

Marie-Anna Bénard

Alle von responsAbility verwalteten Einrichtungen der Technischen Hilfe werden von Gebern finanziert. Wie reagieren diese?

Wir haben seit dem Ausbruch von Covid-19 sehr transparent kommuniziert und sie auf die Herausforderungen aufmerksam gemacht, denen wir aufgrund der weit verbreiteten Abriegelung begegnen. Ich freue mich, dass uns all unsere Geldgeber ihre volle Unterstützung zugesichert haben. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sie technische Hilfe als Eckpfeiler für Impact-Investitionen betrachten. Unsere Priorität ist es, alle Projekte so zu gestalten, dass sie unsere Portfoliounternehmen in ihrer Geschäftstätigkeit unterstützen. Covid-19 ist ein Superschock von globalem Ausmaß, und technische Hilfe kann ein entscheidendes Instrument sein, um die Widerstandsfähigkeit von Portfoliounternehmen in solchen Krisen zu stärken. Wir bemühen uns gemeinsam mit einigen Gebern und externen Partnern um den Einsatz außerordentlicher Maßnahmen, um die Auswirkungen von Covid-19 auf unsere Beteiligungsunternehmen zu mildern und sie zu unterstützen, wo immer es Sinn macht.

Hast du ein Beispiel für einen möglichen Ansatz?

Die meisten unserer landwirtschaftlichen Portfoliounternehmen arbeiten mit Kleinbauern zusammen. Während diese weiterhin nachhaltig Nahrungsmittel produzieren, sind Bauern und ihre Gemeinschaften besonders anfällig für Gesundheits- und Sicherheitsrisiken. Darüber hinaus sind Preisrisiken aufgrund der Schwankungen der Rohstoffmärkte, der Unmöglichkeit, ihre Produktion auszuliefern, und in einigen Fällen die sinkende Nachfrage für die Landwirte zu großen Problemen geworden. Solange sie sich auf starke Verbindungen zu Partnern in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette verlassen können, hilft ihnen das. Durch Covid-19 besteht jedoch die Gefahr, dass die Wertschöpfungsketten unterbrochen werden und sich die Partner trennen, wodurch die Landwirte noch höheren Risiken ausgesetzt sind. Aus diesem Grund suchen wir nach Möglichkeiten, die Verbindungen innerhalb der Wertschöpfungsketten zu stärken, die Lehren daraus zu ziehen und Projekte zu entwickeln, die zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit für die Zukunft beitragen. Gleichzeitig löscht diese Krise die Herausforderung des Klimawandels nicht aus, und wir glauben, dass die Welt nach Covid-19 neue Herausforderungen, aber auch neue Chancen mit sich bringen wird. Wir sind bereit, unsere Portfoliounternehmen bei all dem zu unterstützen, was kommen mag.

Du arbeitest normalerweise von Zürich aus, verbringst aber den Covid-19-Lockdown in Frankreich. Hast du einen persönlichen Tipp zur Erhaltung des seelischen Gleichgewichts?

Ich mache jeden Tag eine Stunde Yoga, um mich fit und konzentriert zu halten. Und dann hilft natürlich auch das Wetter: Wir haben hier einen wunderbaren Frühling genossen, und ich habe das Glück, von der Natur umgeben zu sein - es ist schön, den Arbeitstag bei einem Drink im Garten ausklingen zu lassen.