Den Millennials gerecht werden

Da sich die Generation der Babyboomer (die Jahrgänge 1946 bis 1964) quasi auf dem Weg in den Ruhestand befindet, erleben wir neben einer Verlagerung von Vermögen auch einen neuen Trend in dessen Verwaltung. Laut Cerulli Associates, einem globalen Forschungs- und Beratungsunternehmen, fallen die Schätzungen zwar unterschiedlich aus, jedoch dürften allein in den USA innerhalb der nächsten 25 Jahre etwa 68 Billionen USD von der Boomergeneration auf ihre Nachfolger übertragen werden1.

Ein neues Wir-Gefühl

Die nächste Generation ist in einer kleineren Welt aufgewachsen als ihre Vorgänger. In einer Welt, in der die Erderwärmung von einem bloßen Zukunftsszenario zur Realität geworden ist. In einer Welt, in der sich die Herausforderungen einkommensschwacher Bevölkerungsschichten – verstärkt durch moderne Medien und Migrationsbewegungen – zunehmend vor der eigenen Haustür bemerkbar machen. Für die Millennials steht fest, dass wir nicht nur ihnen helfen müssen, ob es sich bei „ihnen“ nun um unterernährte Kinder, Wale oder Bäume handelt, sondern auch uns selbst, denn der Klimawandel, die globalen Konflikte, Pandemien und Fluchtbewegungen betreffen jeden.

Diese Einstellung der jüngeren Generation spiegelt sich unter anderem in den sozialen Medien und in zahlreichen Unterschriftenkampagnen wieder: Mit ihren Investments bringen sie ihre eigenen Interessen zum Ausdruck. In einer Umfrage von Fidelity aus dem Jahr 2019 gaben2, mehr als drei Viertel der vermögenden Millennials an, sogenannte Impact-Investments zu tätigen, etwa in Unternehmen, die umwelt- und sozialverträgliche Ansätze vertreten. Bei den Umfrageteilnehmern aus der Babyboomer-Gruppe machte nicht einmal ein Drittel diese Angabe.

Vermögensverwalter, aufgewacht!

Gleichzeitig hält die Hälfte aller Investmentberater die Impact-Strategie für einen kurzfristigen Trend. Und nur die Hälfte aller Investmentberater über 40 Jahren gibt an, sich überhaupt für dieses Thema zu interessieren. Demgegenüber stehen zwei Drittel bei den unter 40-jährigen Befragten.

Konkret zeigen diese Zahlen, dass in Bezug auf das Interesse an und das Fachwissen über Impact-Investments eine Diskrepanz besteht, ein Ungleichgewicht zwischen den neu aufstrebenden Vermögensinhabern und den altbewährten Vermögensverwaltern. Hinzu kommt laut Ernst & Young3 der Umstand, dass bei der Übertragung von Vermögenswerten zwischen Generationen 70–80 % des Vermögens vom ursprünglichen Vermögensverwalter abgezogen werden. Kurz gesagt: Die neue Generation ist auf Impact ausgerichtet und wird Vermögensverwaltern, die an dieser Anlageform kein aufrichtiges Interesse zeigen, schlichtweg die kalte Schulter zeigen.

Angesichts dieser Lücke zwischen der wachsenden Nachfrage und dem eher lustlosen Angebot von Seiten der etablierten Vermögensverwalter entwickelt sich ein neues Marktsegment, dessen Schwerpunkt speziell auf dem Impact-Investment liegt: Vermögensverwalter wie responsAbility bieten darin Anlageprodukte an, die sowohl auf positive Renditen als auch auf positive soziale und ökologische Effekte ausgerichtet sind.

Finanzanlagen und gute Taten


Spenden und Ausgaben für wohltätige Zwecke gehören bei vielen Vermögenden seit Langem auf die Tagesordnung, jedoch wurden sie stets getrennt von Vermögensanlagen getätigt. Zahlen der Bank of America4 zufolge lehnt mehr als die Hälfte der vermögenden Babyboomer Impact-Investments kategorisch ab, um die „Ziele von Wohltätigkeit und Finanzanlagen nicht zu vermischen“. Drei Viertel der Millennials sind hingegen ganz anderer Ansicht: Für die nächste Generation steht das Investment nicht nur für den Erhalt von Wohlstand, sondern auch für das Erzielen positiver Effekte. Wie aus der genannten Studie ebenfalls hervorgeht, halten 88 % der wohlhabenden Millennials den Faktor „Impact“ bei ihren Anlageentscheidungen für ausschlaggebend. Das Weiteren gaben 76 % der Millennials an, dass sie „ihre Anlageentscheidungen als Ausdruck ihrer sozialen, politischen oder ökologischen Werte betrachten“. Unter den befragten Babyboomern zeigten nur 37 % diese Haltung.

Viele Family Offices und Vermögensverwalter haben traditionell den Blick vor allem auf den bisherigen Weg gerichtet und die Leistung vorheriger Generationen gewürdigt. Es ging dabei immer darum, die Errungenschaften der Vorfahren zu erhalten und zu schützen; die Frage nach der Zukunft des Vermögens wurde dabei kaum gestellt. Jetzt tritt jedoch eine neue Generation an, und sie wirft den Blick klar nach vorn: Nun geht es darum, wie es weitergeht mit den Familienvermögen, mit der Gesellschaft und der Umwelt – und darum, wie sich alles miteinander verbinden lässt.

Erfahren Sie mehr über Investitionen in eine nachhaltige Zukunft: Impact for Generation 2030

Balder Vestad

Der Autor

Balder Vestad ist Head of responsAbility Nordics und leitet in dieser Position die regionalen Aktivitäten zur Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Zuvor war er Corporate-Banker bei der DNB Bank und erhielt seinen Master of Science in Economic History and Development Studies von der London School of Economics (LSE). Da er bereits in acht Ländern auf vier Kontinenten gelebt hat, verwundert es nicht: Balder Vestad liebt das Reisen.