Covid-19

Die Arbeit von zu Hause aus erfordert Durchhaltevermögen

Rachel Joyce-Gibbons leitet unser Investment-Team für nachhaltige Nahrung in Lateinamerika und kennt die Herausforderungen von längerfristiger Arbeit im Home Office aus ihrem letzten Job. Während Covid-19 hält sie von ihrem Zuhause in Lima aus den Kontakt zu landwirtschaftlichen Portfoliounternehmen in ganz Lateinamerika und zu ihrem Team aufrecht.

Rachel Joyce-Gibbons

Wie wirkt sich die Ausgangssperre in Lima auf deine Arbeit aus?

Die Ausgangssperre trat genau an dem Tag in Kraft, an dem unser gesamtes Unternehmen von zu Hause aus arbeitete. Wir hatten alle erwartet, nur einen Tag lang nicht im Büro zu sein, und plötzlich konnten wir nicht mehr zurück, um Material zu holen. Jetzt tun wir einfach alle unser Bestes und arbeiten weiter, so gut es geht. Unser Hauptsitz in Zürich verlässt sich darauf, dass wir die Ohren offen halten für das, was in Lateinamerika geschieht. Deshalb ist das Team laufend in Kontakt mit unseren Portfoliounternehmen, viel intensiver als das normalerweise der Fall wäre.

«Unser Hauptsitz in Zürich verlässt sich darauf, dass wir die Ohren offen halten für das, was in Lateinamerika geschieht.»

Rachel Joyce-Gibbons

Wie haben die Portfolio-Unternehmen bisher reagiert?

Ich habe den Eindruck, dass die meisten grosses Verständnis für die Massnahmen hier in Peru haben: Die Menschen wissen, dass unser Gesundheitssystem Covid-19 nicht standhalten kann. In allen lateinamerikanischen Ländern, in denen wir tätig sind, sehen wir, dass die Regierungen Maßnahmen ergreifen, um eine möglichst reibungslose Weiterführung des Agrarexportgeschäfts sicherzustellen. Die Situation ist komplex, in den ersten Tagen der Abschottung herrschte große Verwirrung darüber, wer arbeiten kann und wer nicht, wie Exporte und Märkte betroffen sein würden. Alle unsere Portfoliounternehmen führen ihr Geschäfte soweit wie möglich weiter und passen sich laufend der neuen Situation an. Die gute Nachricht ist, dass unsere Portfoliounternehmen in Zentralamerika ihre gesamte Kaffeeernte eingebracht haben und er nun im Lagerhaus steht. Wir beobachten die weitere Entwicklungen genau.

 

Wie führst du dein Team aus der Ferne?

Ich bin online sehr aktiv. Es gibt einen täglichen Skype-Anruf mit dem gesamten Büro in Lima. Nicht jeder mag diese Art der Kommunikation, aber ich finde sie gut, weil sie einen täglichen Berührungspunkt bietet, wo jeder seine Anliegen äußern kann. Ich habe gestern auch einen Zoom-Kaffee mit dem Agrar-Investitions-Team organisiert und werde das bald wieder tun. Es ist schwer, immer allein zu arbeiten, ohne jemanden, mit dem man lachen oder nach einem schwierigen Treffen reden kann.

 

Mit sechs Jahren Home-Office-Erfahrung bist du eine Veteranin auf diesem Gebiet. Was empfiehlst du all jenen, die sich neu in dieser Situation befinden?

Mein goldener Tipp ist: Trennt Arbeit und Freizeit ganz bewusst. Richtet euch daheim einen Arbeitsplatz ein und bewegt euch am Ende des Arbeitstags physisch davon weg. Wenn ihr, wie viele von uns, von eurem Esstisch aus arbeitet, schaltet euren Computer am Ende des Tages ab und räumt ihn ausser Sichtweite. Achtet auch auf euer Umfeld: Manchmal brauchen wir Hilfe, um offline zu gehen. Wenn ihr zu komischen Zeiten Online-Aktivitäten von Kollegen feststellt, kontaktiert sie und sagt ihnen, sie sollen sich auch mal ausruhen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Die Arbeit von zu Hause aus erfordert ein Durchhaltevermögen, das nicht jeder hat. Es ist keine Schande, wenn man Mühe mit dieser Situation hat, zumal die Quarantäne-Situation für zusätzlichen Stress sorgt. Nutzt daher die elektronischen Kanäle, um mit anderen in Kontakt zu bleiben – sowohl für die Arbeit als auch für persönliche Anliegen, genau wie im Büro.