Impact Blog

Nach der Pandemie – gezielte Unterstützung für kleine Unternehmen im Nachgang der Covid-Krise

In unseren Bemühungen, die UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erreichen, dürften uns die vergangenen drei Monate deutlich zurückgeworfen haben. Schon vor Covid fehlte es in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern an Arbeitsplätzen, einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung und Bildung sowie sanitären Einrichtungen und vielen weiteren Grundbedarfsleistungen. Durch die zu erwartende Kürzung der öffentlichen Ausgaben und Entwicklungshilfebudgets drohen die mit Blick auf mehrere Entwicklungsindikatoren gemachten Fortschritte zunichte gemacht zu werden.

Wie lassen sich die Wirtschaftsaktivitäten und lokalen Steuereinnahmen in den Entwicklungs- und Schwellenländern nach einer Krise am besten wiederherstellen? Häufig lautet die Antwort: durch die Schaffung von Arbeitsplätzen in kleinen Unternehmen – mit einem Anteil von 70-95% an der Neubeschäftigung kommt diesen Firmen in Entwicklungs- und Schwellenländern eine besondere Bedeutung zu.

Für sie stellt allerdings der Zugang zu Krediten seit jeher eine Herausforderung dar. Schätzungen zufolge fehlen jährlich USD 5-8 Billionen an Finanzierungen für Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KKMU). Aktuell kommt hinzu, dass viele grosse Geschäftsbanken noch weniger gewillt sein werden, Kredite an KKMU zu vergeben, deren Betrieb zwei bis drei Monate zwangsweise stillstand.

Hier wird deutlich, wie wichtig Mikrofinanzinstitutionen (MFIs) und KMU in dieser Situation sind. Wir haben bereits ausführlich darüber berichtet, wie diese Institutionen zum Aufbau von Resilienz gegenüber sozialen oder wirtschaftlichen Schocks beitragen und helfen, Kredite für kleine Gesundheitsanbieter bereitzustellen oder das Leasing medizinischer Geräte zu finanzieren.

Für kleine Betriebe sind MFI und KMU-Banken häufig die einzige Kreditquelle (neben anderen Dienstleistungen wie Kontoführung, Leasing oder Versicherung). Umso grösser ist ihre Bedeutung als Wegbereiter der wirtschaftlichen Erholung in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Viele stehen bereits im intensiven Austausch mit Bestandskunden über Umschuldungen und die Bereitstellung neuer Finanzierungslösungen, ohne die viele Betriebe diese Krise nicht überstehen würden. Unterdessen haben sich die Investoren, die diese Organisationen unterstützen, zusammengeschlossen, um MFI und KMU-Banken gezielte Hilfe bereitzustellen und so potenziell gravierende Rückschläge in der häufig noch ganz am Anfang stehenden Finanzsektorentwicklung zu verhindern.

Tatsächlich werden die Investoren eine kritische Rolle in der längerfristigen Erholung der KKMU spielen. Mit dem rasch wachsenden Markt für Anlageprodukte, die die finanzielle Inklusion und KMU-Finanz in Entwicklungs- und Schwellenländern unterstützen, nimmt auch die Relevanz dieser Produkte weiter zu. In Ländern mit sehr begrenzter staatlicher Unterstützung und einem stark eingeschränkten Engagement konventioneller Banken setzen sie an der Basis an und ermöglichen so eine nachhaltige Erholung von der Pandemie. In einer Zeit, in der sich die Welt einer gemeinsamen Herausforderung so geeint wie nie zuvor stellt, können wir damit dort, wo der Bedarf am grössten ist, viel bewirken.

Paul Hailey

The author

Paul Hailey is Head of Impact at responsAbility Investments and the author of various publications and articles. Previous roles at the company include Senior Research Analyst for the financial sector. He has an MBA from École des Hautes Études Commerciales de Paris (HEC Paris), where he is also a lecturer, and a B.A. (Hons) from Pembroke College, University of Cambridge.