Energie, Landwirtschaft, Finanz

Investieren in einem Multiwährungsumfeld

Development Investments

Markus Beeler

Markus Beeler ist Head Product Management bei responsAbility. Er verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Asset Management bei grossen internationalen Finanzinstituten und zeichnet seit 2011 für die Produktgestaltung bei responsAbility Investments verantwortlich.

responsAbility wählt für die meisten Anlagevehikel den US-Dollar als Fondswährung, tätigt Investitionen jedoch in zusätzlichen 35 Lokalwährungen – Tendenz steigend. Markus Beeler, Head Product Management bei responsAbility, erklärt, wie der auf Development Investments spezialisierte Asset Manager mit Wechselkursschwankungen und Fremdwährungspotenzial umgeht.

Herr Beeler, responsAbility legt via seine Investitionsvehikel in 36 verschiedenen Währungen an. Wie gehen Sie mit Währungsschwankungen um?
Grundsätzlich sichern wir Fremdwährungsrisiken gegenüber der Fondswährung US-Dollar ab. Dafür nutzen wir Devisentermin- oder Swap-Transaktionen. Dieser Ansatz wird dadurch bestimmt, dass wir mit unseren Anlagevehikeln stabile Renditen anpeilen. Der grösste Teil unserer Kunden sucht genau das, daher minimieren wir das Fremdwährungsrisiko weitestgehend.

Kann man denn so exotische Währungen wie den Kirgisischen Som überhaupt absichern?
Eine berechtigte Frage: Viele „exotische“ Währungen, die in Entwicklungsländern eingesetzt werden, kann man nicht am normalen Devisenmarkt handeln. Als Spezialist für Development Investments arbeiten wir auf diesem Gebiet mit dedizierten Institutionen zusammen. Diese sorgen mit ihrer Dienstleistung dafür, dass internationale Investoren und lokale Anbieter von Mikrofinanzierungslösungen die Möglichkeit haben, Währungsrisiken bei grenzüberschreitenden Transaktionen in Entwicklungsländern abzusichern, wo sonst keine kommerziellen Absicherungsmöglichkeiten bestehen -– an sich schon ein Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder. Wir nutzen diese relativ neue Marktinfrastruktur, um unseren Zielkunden Finanzierungen in ihrer Heimwährung anzubieten und uns gleichzeitig gegen das Währungsrisiko abzusichern.

Wie profitieren die Finanzierungsnehmer von der Finanzierung in ihrer Heimwährung?
Unsere Finanzierungsnehmer haben ihrerseits Verpflichtungen in ihrer Heimwährung. Indem sie Finanzierungen in der gleichen Währung aufnehmen, ergibt sich für sie kein zusätzliches Währungsrisiko. Wenn sie dieses nicht im Auge behalten müssen, können sie sich ganz ihrem eigentlichen Unternehmenszweck widmen und ihre Energie darin investieren, Grundbedürfnisse von Menschen mit tiefen Einkommen zu decken.

Wollen manche Investoren auch am Fremdwährungspotenzial partizipieren?
Auch das gibt es. Bestimmte Kunden, in erster Linie institutionelle Anleger, suchen explizit nach Anlagen mit diesem zusätzlichen Renditepotenzial. Sie verfügen grundsätzlich über eine höhere Risikotoleranz. 

Lohnt es sich denn, solche Fremdwährungsrisiken einzugehen?
Das hängt stark vom zeitlichen Anlagehorizont des Investors ab. Wir investieren typischerweise in Entwicklungs- und Schwellenländern mit grossem Wachstumspotenzial. Im Lauf der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung stärken sich normalerweise alle fundamentalen Faktoren wie etwa die Ausbildung des Finanzsektors, der Konsum – und eben auch die Währung. Daraus könnte man langfristig auch Währungsgewinne aus Anlagen in Entwicklungsländern gewinnen – allerdings nicht von heute auf morgen und auch nicht ohne gewichtige Schwankungen, ausgelöst durch Krisen und Kurskorrekturen. 

Bieten Sie auch Anlagevehikel, die dieses Währungspotenzial erschliessen?
Für ein solches Rendite-Risiko-Profil eignen sich insbesondere Aktienanlagen, deren Fremdwährungsrisiken bewusst nicht abgesichert werden. Das bieten wir über Eigenkapitalanlagen. Auch hier braucht es aber einen entsprechend langfristigen Anlagehorizont, um am Wertsteigerungspotenzial der Unternehmen zu partizipieren. Kommt dann noch eine allfällige positive Währungsentwicklung dazu, können diese Anlagen sehr attraktiv sein.

Gibt es auch andere Fälle, wo Sie bei Fremdkapitalfinanzierungen auf eine Absicherung einer Währung verzichten?
Wir suchen bei jeder Investition neben einer finanziellen Rendite auch eine Entwicklungswirkung. Bei Fremdkapitalfinanzierungen gibt es Fälle, wo eine hohe Entwicklungswirkung gegeben ist, sich die Währung aber aus Kostengründen nicht absichern lässt. Hier entscheiden wir situativ: Ist die Entwicklungswirkung sehr gross, können wir ausnahmsweise und in geringem Umfang auch in nicht abgesicherte Währungen investieren. Der Anteil an ungesicherten Fremdwährungstransaktionen am Portfolio liegt dabei aber im tiefen einstelligen Prozentbereich.

Vermehrte Anlagetätigkeit in Lokalwährungen
am Beispiel des grössten responsAbility Mikrofinanzfonds, 2007-2014

Grafik Habari DE