Covid-19

Lieferketten am Laufen halten: Nachhaltige Lebensmittelversorgung und Landwirtschaft in der Covid-19-Krise

Von operativen Herausforderungen bis hin zu Verspätungen im Frachtverkehr – die Portfoliounternehmen im Bereich nachhaltige Landwirtschaft haben die Krise mit Agilität und Kreativität gemeistert.

blue warehouses

Die weltweiten Lockdowns haben die Verwundbarkeit der landwirtschaftlichen Lieferketten schonungslos vor Augen geführt. In Südamerika zum Beispiel kam es bei normalem Betrieb der Handelshäfen zu Verzögerungen, weil die für den Versand von Dokumenten und Produktmustern erforderlichen Luftfrachtunternehmen nicht bereitstanden. In Ostafrika liessen die Regierungen mehrerer Staaten zu, dass landwirtschaftliche Rohstoffe wie Kaffee, Cashewnüsse und Sesam weiterverarbeitet werden konnten. Da aber öffentliche Verkehrsmittel eingestellt wurden, mussten die Verarbeiter ihre Beschäftigten entweder auf dem eigenen Fabrikgelände oder in unmittelbarer Nähe unterbringen, damit diese ihren Arbeitsplatz problemlos erreichen konnten. Der Frachtverkehr blieb über alle nationalen Grenzen in Ostafrika hinweg erlaubt (wenn auch unter strengen Gesundheitskontrollen), und die beiden Haupthäfen blieben in Betrieb. Da es jedoch zum Teil an Lkw fehlte, sahen sich die Portfoliounternehmen von responsAbility mit Betriebsunterbrechungen und operativen Herausforderungen konfrontiert, die sie mit kurzfristigen Anpassungen effektiv adressierten.

Ein auf eingelegte Früchte und Gemüse spezialisiertes Portfoliounternehmen aus Ägypten reagierte schnell auf die veränderte Nachfrage der Konsumenten, nachdem sich seine Produktionskapazität halbierte, weil die Teams abwechselnd in zwei Schichten arbeiten mussten. Das Unternehmen hatte mit seiner Strategie Erfolg, da es seine breite Palette von Produkten, die normalerweise von grossen US-Marken angekauft werden, stattdessen im Einzelhandel vor Ort platzieren konnte.

Andere Portfoliounternehmen profitierten sogar von den Folgen des Lockdowns, weil sich bestimmte Rohstoffe verteuerten. Obwohl die Lebensmittelpreise im Zuge des Ölpreisverfalls von März bis Mai weltweit sanken, profitierten unsere Portfoliounternehmen von steigenden Kaffeepreisen, da hochwertiger Arabica-Kaffee knapp war und die Kaffeeröster ihre Bestellungen aus Sorge um mögliche Lieferunterbrechungen vorzogen.

Sanitäre Massnahmen zum Schutz der Beschäftigten waren ein weiterer wichtiger Faktor für unsere Portfoliounternehmen, wie das Beispiel eines Cashewverarbeiters aus Burkina Faso zeigt. Das Unternehmen mit 1’500 Mitarbeitern ergriff eine ganze Reihe von Massnahmen: Es beschäftigte zwei Krankenschwestern, die am Werkstor Fiebermessungen durchführten und sicherstellten, dass alle ihre Hände ordnungsgemässe desinfizierten. Es installierte provisorische Latrinen und Spülbecken im Lagerhaus, um zu verhindern, dass Bauern, Fahrer, Lager- und Fabrikarbeiter in Kontakt miteinander kamen. Die Kantine und Kinderbetreuungseinrichtung des Unternehmens wurden geschlossen und die betroffenen Mitarbeiter anderweitig beschäftigt. Ausserdem kaufte das Unternehmen 5’000 Liter Alkohol und 3’000 waschbare Gesichtsmasken und schulte seine Mitarbeiter in sanitären Massnahmen. Es rekrutierte zwei Hygieneteams, die alle Oberflächen regelmässig sterilisierten. Die Zahl der Arbeiter am Standort wurde halbiert, um die Kontaktbeschränkungen einzuhalten, und es wurde eine Nachtschicht mit einer befristeten Sonderzahlung für kranke Arbeitnehmer eingeführt, um sicherzustellen, dass diese wirklich von der Arbeit fernblieben.

responsAbility unterstützte die Portfoliounternehmen bei der Bewältigung der finanziellen Herausforderungen, mit denen diese sich infolge der Lockdowns konfrontiert sahen. Unternehmen mit Liquiditätsengpässen erhielten Umschuldungsangebote. Ausserdem boten wir ihnen technische Unterstützung an, um ihnen zu helfen, sich schnell von der Krise zu erholen.

Das war vor allem in Peru der Fall, einem von der Krise besonders schwer getroffenen Land, das einen der längsten Lockdowns weltweit erlebt.

Im Zuge der allmählichen Lockerung der Lockdowns seit Mai sind die Produktion, Verarbeitung und Exportprozesse in unseren wichtigsten Investitionsländern fast vollständig wieder aufgenommen worden. Die Agrarpreise haben sich erholt und stabilisiert, wodurch auch der Betrieb der Lebensmittelunternehmen wieder reibungsloser läuft. Die Lockerung der Beschränkungen in Asien und Europa stärkt die Nachfrage nach den wichtigsten von uns finanzierten landwirtschaftlichen Erzeugnissen, vor allem Kaffee, Kakao und Cashewnüssen. Die Kaffeenachfrage hat sich bereits wieder erholt, seitdem die Kaffeebars in China wieder geöffnet worden sind und die Beschränkungen in Europa gelockert wurden. Da die Nachfrage nach Süsswaren auf Schokoladebasis nach einer wirtschaftlichen Rezession zurückgehen könnte, dürften die Kakaopreise niedrig bleiben. Unsere in diesem Bereich tätigen Investitionsnehmer aus Westafrika profitieren jedoch von garantierten Mindestpreisen und sind so vor einem starken Preisverfall geschützt. Unterdessen ist die Nachfrage nach Cashewnüssen in den wichtigsten Zielmärkten – den USA und der EU – in diesem Jahr trotz der Krise im Vergleich zu den Vorjahren weiter gestiegen.

Wie eine führende peruanische Kaffeekooperative die Covid-19-Krise erfolgreich bewältigt hat

Sol & Café ist eine der grössten Kaffeekooperativen in Peru, die seit mehr als 17 Jahren hochwertigen Kaffee einkauft und exportiert. Als Organisation mit starker Entwicklungswirkung ist Sol & Café in einkommensschwachen ländlichen Regionen tätig, zum Beispiel in Cajamarca, wo bis zu 50% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Die Kooperative hat 1’151 aktive Mitglieder, bei denen es sich ausschliesslich um Kleinbauern handelt, die Fair-Trade-Kaffee in Bio-Qualität anbauen.

Sol & Café

Die Covid-19-Krise hat die Kooperative – vor allem während der Erntesaison – vor zahlreiche Herausforderungen gestellt, die diese jedoch erfolgreich bewältigt hat. Erstens hätte der potenzielle Arbeitskräftemangel zu einer geringeren Pergamentkaffee-Ernte führen können. Die Mitglieder von Sol & Café konnten sich jedoch für kollektive, gemeinnützige Arbeitseinsätze – so genannte Mingas – bewerben.

Zweitens hätte es durch die eingeschränkten Betriebszeiten, die geringere Personalstärke, den Containermangel und die längeren Wartezeiten im Hafen zu Verzögerungen bei der Weiterverarbeitung, dem Transport und der Ausfuhr kommen können. Durch die kollektiven Bemühungen der Kooperative konnten diese potenziellen Verzögerungen aber selbst in den strengsten Lockdown-Wochen minimiert werden.

Zudem konzentriert sich Sol & Café auf zertifizierten Kaffee und ist nicht am Markt für Kaffeespezialitäten tätig, der am härtesten getroffen wurde. Dadurch erlitt die Kooperative fast keine Umsatzverluste. Ausserdem verfügt sie über einen breiten Käuferstamm, der es ihr ermöglicht, Vertragsbeziehungen bei Bedarf zu ersetzen. Wie die Kooperative mit Stolz vermerkte, bekräftigten ihre wichtigsten Käufer, dass Sol & Café ihre erste Option für peruanischen Kaffee bleibt.