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responsAbility Renewable Energy Holding steigt in eine neue Liga auf

Es gibt Jahre, die wirklich einen Unterschied machen: 2019 war so ein Jahr für responsAbility Renewable Energy Holding (rAREH), das von responsAbility geführte Energieunternehmen mit Sitz in Nairobi, das die Energiearmut in Subsahara-Afrika durch Finanzierung, Entwicklung, Besitz und Betrieb kleiner erneuerbarer Kraftwerke bekämpft. Nach einer anstrengenden Startphase ging rAREH mit Beteiligungen an nicht weniger als sechs Anlagen in Betrieb und erhielt ein Vertrauensvotum von Investoren, das das verwaltete Vermögen des Unternehmens auf USD 120 Mio. USD erhöhte. rAREH-Geschäftsführer Joseph Nganga erklärt, was zu diesem Aufstieg in eine neue Liga geführt hat.

Joseph Nganga

Bereit zu liefern: Joseph Nganga, Geschäftsführer der responsAbility Renewable Energy Holding mit Sitz in Nairobi, überwacht bei einem Besuch im westuangandischen Wasserkraftwerk Mpanga den Fortschritt

Die responsAbility Renewable Energy Holding und Ihr in Nairobi ansässiges Team hat kürzlich ein großes Vertrauensvotum von ihren Aktionären erhalten. Was ist das Ergebnis?

All unseren bestehenden Aktionären haben sich an einer Kapitalerhöhung um sage und schreibe 65% beteiligt. Das hat dazu geführt, dass rAREH gerade 120 Millionen USD an derzeit investiertem Kapital erreicht hat. Die Schwelle von USD 100 Mio. zu überschreiten, war ein wichtiger Meilenstein für unser Geschäft: Es beweist, dass wir die sehr prekäre Anlaufphase überwunden und eine kritische Grösse erreicht haben. Wir sind jetzt ein etabliertes Unternehmen, das in Afrika südlich der Sahara Kraftwerke baut, besitzt und jetzt auch betreibt.

«Wir sind ein etabliertes Unternehmen, das in Afrika südlich der Sahara Kraftwerke baut, besitzt und jetzt auch betreibt.»

Joseph Nganga, Managing Director, responsAbility Renewable Energy Holding

Zwischen Dezember 2018 und Juli 2019 haben Sie das rAREH-Portfolio um sechs operative Kraftwerke erweitert. Wie haben Sie das geschafft?

Rwaza I war unser erstes Wasserkraftprojekt, das nach einer zweijährigen Bauphase in Betrieb genommen wurde. Durch Akquisitionen konnten wir Beteiligungen an drei Kleinwasserkraftwerken in Südafrika und zwei in Uganda in unser Portfolio aufnehmen. Ausserdem haben wir zurzeit zwei weitere Anlagen im Bau und eine 265-MW-Pipeline in der Entwicklung.

Mpanga

Mpanga in West-Uganda ist eines der kleinen Laufwasserkraftwerke, die derzeit von responsAbility Renewable Energy Holding (rAREH) betrieben werden.

Die Entwicklung von Kraftwerken in Afrika bringt eine Reihe besonderer Herausforderungen mit sich. Welche sind das?

In unserer Industrie ist viel Kapital erforderlich, um eine kritische Grösse zu erreichen. Zu den Herausforderungen zählen sehr lange Entwicklungszeiten, schwierige Genehmigungs- und Zulassungsverfahren, langwierige Grunderwerbsprozesse und ein Umfeld, wo die richtigen Talente schwer zu finden sind. Wir sind entsprechend stolz darauf, all diese Herausforderungen gemeistert zu haben. Heute verfügt das Unternehmen nach einer wirklich risikoreichen Phase über ausreichendes Kapital, eine angemessene Pipeline und sechs in Betrieb befindliche Kraftwerke.

Ich bin sehr stolz auf die Tatsache, dass wir mit dem Bau eines weiteren Kraftwerks begonnen haben. Wie jeder in der Branche weiss, ist das ein wichtiger Meilenstein. Es dauert zumeist viele Jahre, um all die oben genannten Hürden zu überwinden und zum Bau zu gelangen.

«In unserer Industrie ist viel Kapital erforderlich, um eine kritische Grösse zu erreichen.»

Joseph Nganga

Was war entscheidend für diesen Erfolg?

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist unser Team: Ich bin extrem stolz auf meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unter ihnen Experten mit großer Erfahrung, aber auch relativ junge Fachleute. Ein beträchtlicher Teil der aufstrebenden Talente stammt aus Afrika. Indem wir sie mit erfahrenen Fachleuten zusammenarbeiten lassen, entwickeln wir auf dem Kontinent nicht nur Kraftwerke, sondern auch die Fähigkeiten, die in Zukunft für den weiteren Ausbau von erneuerbarer Energien notwendig sein werden.

Nyamwamba II

Der Baubeginn – eine große Leistung in einem herausfordernden Umfeld. Die Arbeiten am Projekt Nyamwamba II in West-Uganda haben begonnen.

rAREH deckt die gesamte Wertschöpfungskette der Entwicklung, der Finanzierung und des Betriebs kleiner Anlagen für erneuerbare Energien ab. Was sind die spezifischen Herausforderungen in jeder Phase dieses Prozesses?

Die erste Herausforderung besteht darin, den richtigen Standort für eine Investition zu finden. Es liegt in der Natur des Kontinents, dass wir nicht über ausreichende Daten verfügen, um einen Business Case zu erstellen, sei es in Bezug auf die Hydrologie – für die Wasserkraft – oder die Sonneneinstrahlung für die Solarenergie. Das ist die erste Hürde bei der Projektentwicklung.

In einer nächsten Phase müssen Machbarkeitsstudien effizient durchgeführt und die erforderlichen Genehmigungen rechtzeitig organisiert werden. Da wir nicht in Korruption verwickelt sein können, besteht die Herausforderung darin, dies auf sehr transparente Weise zu erreichen - was sehr lange dauern kann. 

«Da wir nicht in Korruption verwickelt sein können, besteht die Herausforderung darin, die erforderlichen Genehmigungen auf sehr transparente Weise zu erhalten.»

Joseph Nganga

Auch der Landerwerb stellt eine große Herausforderung dar. In Afrika findet man dort, wo man Kraftwerke entwickeln kann, zumeist auch eine dichte Bevölkerung. Das bedeutet, dass wir zumeist sehr kleine Grundstücke erwerben müssen von unzähligen Besitzern, die das Land wahrscheinlich von ihren Familien geerbt haben und bei denen familiäre und kulturelle Beschränkungen in die Verkaufsüberlegungen einfliessen. Dieser Prozess erfordert viel Zeit und viel Geld.

Die nächste Hürde ist der Abschluss eines Stromkaufvertrags (PPA) mit einem Versorgungsunternehmen. Wie Sie sich vorstellen können, handelt es sich dabei um sehr langfristige Verpflichtunen. Das Stromunternehmen muss die Verträge deshalb sehr sorgfältig prüfen und in ihren Planungsprozess einbeziehen. Sobald wir anfangen, Strom zu erzeugen, muss das Stromunternehmen uns den gesamten Strom abnehmen. Entsprechend lange ist der Entscheidungsprozess. 

«Da der Sektor auf dem Kontinent erst im Entstehen begriffen ist, ist es eine Herausforderung, erfahrene Bauunternehmen zu finden.»

Joseph Nganga

Die nächste Herausforderung ist der Bau selbst. Der Bau von Kleinkraftwerken ist in Afrika ein relativ neuer Industriezweig, was dazu führt, dass es nur eine begrenzte Anzahl erfahrener Unternehmen gibt. Und selbst diese müssen eng begleitet werden. Auf den Baustellen fehlt es an erfahrenen Arbeitskräften; Material wie Turbinen werden nicht auf dem Kontinent hergestellt und müssen aus dem Ausland beschafft werden. Jede kleine Fehlberechnung im Zeitplan kann zu erheblichen Verzögerungen führen. 

Und schließlich ist da noch der Betrieb des Kraftwerks: Auch hier ist es schwierig, in Afrika Leute zu finden, die über die notwendige Erfahrung im Betrieb eines Kraftwerks verfügen. Das macht den Aufbau eines Teams, das diese Kraftwerke betreiben kann, zu einer weiteren Herausforderung.

 

Um zumindest einige dieser Herausforderungen zu bewältigen, ist rAREH mit einer von Gebern finanzierten Fazilität für technische Hilfe ausgestattet. Wie funktioniert sie?

Die mit rAREH verbundene Fazilität für technische Hilfe in Höhe von 5,7 Mio. USD wird von zwei unserer Aktionäre - der KfW und dem Nordic Development Fund – vom Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft SECO und von der Korea International Cooperation Agency finanziert. Sie wird von einem Team von responsAbility Spezialisten geleitet und von einem Ausschuss überwacht, der jedes einzelne Projekt bewertet und bewilligt. Ziel ist es, die Umsetzung von Projekten im Bereich der erneuerbaren Energien auf dem Kontinent dadurch zu erleichtern, dass notwendige Vorarbeiten wie Durchführbarkeitsstudien oder hydrologische Analysen mitfinanziert werden. 

Sehr wichtig ist, dass uns die Fazilität für technische Hilfe auch in unseren Bemühungen unterstützt, nicht nur Kraftwerke zu entwickeln, sondern auch das Leben der lokalen Bevölkerung positiv zu beeinflussen. Wir verfügen über ein Team von ESG-Experten, die mit den Menschen vor Ort und NGOs zusammenarbeiten, um umweltfreundliche Praktiken zu gewährleisten oder Aktivitäten wie Wiederaufforstung oder die Schaffung alternativer Lebensgrundlagen zu unterstützen. Im Jahr 2019 haben wir uns mit dem WWF Uganda für die Wiederherstellung des Nyamwamba-Flusses zusammengetan, und wir sind dabei, ähnliche Aktivitäten für das Mpanga-Einzugsgebiet in Gang zu setzen.

WWF

Verbesserte Lebensbedingungen für 900 Haushalte in der Region: Die geberfinanzierte technische Hilfe unterstützt rAREH bei der Finanzierung von Vorstudien, aber auch mit ESG-Projekten.

Wie wichtig ist gerade jetzt das Vertrauensvotum der rAREH-Aktionäre, verschiedener europäischer Entwicklungsfinanzierungsinstitutionen?

Beim Aufbau von Kleinkraftwerken in Afrika werden die meisten Projekte von einem ähnlichen Profil von Investoren finanziert. Um Erfolg zu haben, brauchen wir langfristiges Kapital und ausreichende Mittel. Investoren müssen wissen, dass es auf dem Weg dorthin auch Misserfolge geben wird. Es ist daher entscheidend, dass sie mit der richtigen Erwartungshaltung investieren. Und auch die Renditeerwartungen müssen mit dem übereinstimmen, was eine Infrastrukturinvestition leisten kann. 

«Wir sind sehr froh, dass unsere Aktionäre unsere Ausrichtung teilen, auch in Bezug auf die Impact-Ziele, die wir verfolgen.»

Joseph Nganga

Wir sind sehr froh, Aktionäre gefunden zu haben, die unsere Ausrichtung teilen, auch in Bezug auf unsere Impact-Ziele wie die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Versorgung der lokalen Bevölkerung mit Strom und den Umweltschutz in den Einzugsgebieten, in denen wir arbeiten. Diese Übereinstimmung in der Grundhaltung mit unseren Aktionären ist zentral für den Erfolg unseres Unternehmens. 

Sie haben ein ganzes Team, das sich mit Impact-Massnahmen und -Messung beschäftigt. Wie setzen Sie Ziele und kommunizieren Sie Ergebnisse?

Wenn wir über Impact sprechen, darf das nicht auf hypothetischer Ebene erfolgen. Wir treffen nicht einfach Annahmen, sondern suchen nach messbaren Kennzahlen für die Impact-Ziele, die für uns und unsere Aktionäre wichtig sind. Um das zu erreichen, messen wir zunächst den Status Quo als Vergleichsbasis für alle weiteren Messungen. In der Folge bewerten und quantifizieren wir, was sich durch unsere Aktivitäten verbessert hat. Wir lassen diesen Fortschritt auch von externen Gutachtern bewerten. So ist zum Beispiel die Menge an sauberer Energie, die in einem Land erzeugt wird, für uns eine wichtige Messgröße. Es gibt klare Angaben dazu, wieviel Energie erzeugt wurde und wird und wir können von einem Dritten bestätigen lassen, dass das, was wir berichtet haben, auch tatsächlich der Fall ist.

«Wenn wir über Impact sprechen, darf das nicht auf hypothetischer Ebene erfolgen.»

Joseph Nganga

Eine weitere wichtige Kennzahl ist die Schaffung von Arbeitsplätzen. Hier zählen wir nicht nur geschaffene Arbeitsplätze im allgemeinen, sondern die Anzahl qualifizierter versus unqualifizierter Arbeitsplätze oder auch die Anzahl beschäftigter Frauen im Vergleich zu beschäftigten Männern. Wir zielen darauf ab, dass die lokale Bevölkerung in ländlichen Gebieten nach Abschluss der Bauarbeiten besser qualifiziert ist und auch in Zukunft ein besseres Einkommen erzielen kann. Diese nachhaltige Entwicklung ist sehr wichtig.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft, nachdem Sie diesen wichtigen Meilenstein erreicht haben?

Wir sind sehr ehrgeizig: Unser Ziel ist es, bis 2026 etwa 300 MW an Kapazität neu zu bauen und 300 MW zu erzeugen. Und wir haben die einzigartige Mission, das durch die Entwicklung kleinerer Projekte in zahlreichen Ländern des Kontinents erreichen – im Gegensatz zu unseren Mitbewerbern, die sich größeren Projekten widmen.

Kleinere Projekte sind wichtig, um die grossen zu ergänzen. Dabei haben sie eine grössere Entwicklungswirkung, was im Einklang mit dem Engagement von responsAbility und unseren Aktionären steht. Ihre Entwicklung erfordert jedoch auch einen anderen Ansatz, eine andere Art von Team und eine andere Arbeitsweise. Wir stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, zu definieren, wie ein innovativer, unabhängiger Stromerzeuger in Zukunft aussehen wird.