Covid-19

Wie die Pandemie die CO2-Emissionen beeinflusst

März 20203 min readKlimafinanzierungEnergy

Die Covid-19-Pandemie zeigt uns, wie unsere Städte mit weniger Luftverschmutzung und weniger Verkehr aussehen können. Leider wird der Rückgang an CO2-Emissionen nicht lange anhalten.

Kriege und Krankheiten haben dem Einfluss des Menschen auf das Klima über Jahrhunderte hinweg entgegengewirkt: Studien zeigen, wie vor 800 Jahren die Ausdehnung des Reiches von Dschingis Kahn zur Wiederaufforstung riesiger Gebiete führte. In der Folge wurden 700 Mio. Tonnen an CO2 eingespart, und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sank um 0,1 ppm. Leider ist das nichts im Vergleich zu den Auswirkungen der postindustriellen Revolution, die die CO2-Konzentration von ~275 ppm auf über 400 ppm CO2 ansteigen liess.

Auch wenn durch Moskitos übertragene Krankheiten wie Dengue oder Malaria rund 700’000 Todesfälle pro Jahr verursachen, hat erst in den letzten Monaten die hohe Ansteckungsrate von COVID-19 unsere Lebensweise verändert. Die Verlangsamung der täglichen Routine hat die CO2-Emissionen, die täglich in unsere Atmosphäre gepumpt werden, vorübergehend verringert. 

Angesichts der eingeschränkten Mobilität und der völligen Abschottung der Städte ist der Verkehr – verantwortlich für ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen – einer der am stärksten betroffenen Sektoren. Die Zahl der Flüge pro Tag hat sich halbiert, und der Preiskrieg zwischen Russland und Saudi-Arabien hat den Ölpreis auf den niedrigsten Stand seit fast 20 Jahren gebracht.  

 

In allen Ländern mit strengen Sicherheitsmaßnahmen  ist auch die Nettonachfrage nach Elektrizität zurückgegangen. Obwohl mehr Menschen zu Hause bleiben und Haushalte dadurch mehr Energie verbrauchen, macht das der Nachfragerückgang im Industriesektor mehr als wett. Eine Studie von Carbon Brief weist für China eine Reduktion der CO2-Emissionen um 25%  gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 aus. Mit rund 100 Mio. Tonnen CO2 ist das zwar immer noch weit von dem Szenarium entfernt, das die Klimaerwärmung auf 1,5⁰C beschränken könnte. Rechnet man mit nötigen Investitionen von 20 USD für jede eingesparte Tonne an CO2-Emissionen, wären unter normalen Umständen für diese Reduktion aber Investitionen in Höhe von USD 2 Mrd. nötig gewesen, etwa das Dreifache des von responsAbility verwalteten Klimafonds.

Mit geschlossenen Fabriken bei Tesla, Windturbinen-Produzent Gamesa und mehreren Herstellern von PV-Paneelen betrifft  die Covid-19-Krise auch die Lieferkette für saubere Energie. Die jüngste Nachricht, dass China die Quarantäne im April langsam aufhebt, deutet jedoch auf eine viel schnellere Reaktivierung der Wirtschaft im Vergleich zur vorherigen Krise hin. 

Das ist einerseits gut, zeigt aber auch, dass dieser Rückgang der CO2-Emissionen nicht nachhaltig ist, wie die Weltorganisation für Meteorologie in ihrer letzten Pressemitteilung betont. Die COVID-19-Krise wird das Klima wahrscheinlich nur kurzfristig beeinflussen, und die Emissionen werden wieder steigen, sobald die Wirtschaftstätigkeit wieder aufgenommen wird. 

Damit wird zentral, wie Verbraucher und Regierungen auf das Szenario nach der Krise reagieren. 2008-09, nach der globalen Finanzkrise, stiegen die Kohlenstoffemissionen infolge von Konjunkturprogrammen, die den Verbrauch fossiler Brennstoffe erhöhten. Daher gilt es gerade jetzt, Anstrengungen und Investitionen in Richtung einer beschleunigten Einführung sauberer Energie zu lenken (siehe hier die letzten von der IEA gemeldeten Zahlen zu Energieinvestitionen). Dies vor allem, da tiefe Ölpreise und Energiesubventionen sich negativ auf Investitionen in Energieeffizienz auswirken könnten.

Selbst in der Covid-19-Krise sind wir weit von einer kohlenstoffarmen Wirtschaft entfernt. Gleichzeitig zeigt uns die gegenwärtigen Situation aber auch, wie unsere Städte mit weniger Luftverschmutzung und weniger Verkehr aussehen können. Es ist zu hoffen, dass die Krise eine wirkliche Veränderung bewirkt und Forscher in 800 Jahren auf das Jahr 2020 zurückblicken werden, nicht nur um die Auswirkungen von COVID-19 zu untersuchen, sondern auch weil 2020 das Jahr war, in dem die globalen Treibhausgasemissionen endlich zu sinken begannen.

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